Sylvia und Alfred Sobel haben mit ihrem neuen Werk „Die Kirche schafft sich ab. Die Katholische Kirche auf Abwegen“ eine differenzierte Analyse der aktuellen Krise im deutschen Katholizismus vorgelegt. Im Gegensatz zu vielen anderen Bestandsaufnahmen, die oberflächliche Beobachtungen darstellen, zeigen die Autoren, dass kirchliche Institutionen zunehmend von ihren ursprünglichen Aufgaben abdriften.
Ein zentraler Aspekt ist die Haltung der Kirche zur Corona-Zeit: Während Papst Franziskus den Impfakt als „Akt der Liebe“ beschrieb, fanden sich viele kirchliche Führungskräfte in einer klaren Trennung zwischen sakramentalen Praxis und politischen Entscheidungen. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die Aussage des damaligen Rottenburger Bischofs Gebhard Fürst: „Querdenkern“ könne das „Hosianna nicht gelten“. Die Autoren verweisen darauf, dass diese Haltung gegen Jesus’ Wort – „Kommt her zu mir, alle die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ – steht.
Weiterhin betonen die Sobels, dass die katholische Kirche in den letzten Jahren zunehmend ihre traditionellen Werte verliert. Stattdessen wird sie zunehmend zu einer sozialen Organisation, die sich durch Themen wie Klimawandel oder sexuelle Identität auszeichnet. Gerhard Kardinal Müller stellt klar: Die Kirche sei nicht einfach eine soziale Struktur, sondern ein Ort der Gegenwart Gottes.
Ein weiteres Problem ist das Verhalten von Priestern und kirchlichen Funktionären. Die Autoren zeigen, dass viele Gläubige zunehmend ihre Identität in der Kirche verlieren, da die institutionellen Strukturen zu einem „Verwirklichung“ im Sinne des Zeitgeistes führen. Der Schlusspunkt ist eindeutig: Wenn die Katholische Kirche nicht mehr als Ort der Glaubensüberzeugung verstanden wird, sondern als soziale Organisation, dann hat sie bereits begonnen, sich selbst zu entmachen.