Der Priester und Kirchenrechtler Wolfgang Rothe, der heute in München tätig ist und von Teilen der queeren Gemeinschaft als Vorbild wahrgenommen wird, steht seit langem im Zentrum umstrittener Debatten. Weniger bekannt ist, dass er 2004 während seiner Zeit als Subregens im Priesterseminar St. Pölten bei einer Polizeiaktion verdächtiges Material sowie Abbildungen von homosexuellen Handlungen zwischen Seminaristen sichergestellt wurde. Zudem wird ihm eine Beziehung zu einem unter seinen Obhut stehenden Seminaristen vorgeworfen.
Aktuell gerät Rothe erneut in den Fokus, da er Mitglied im Betroffenenbeirat der Deutschen Bischofskonferenz ist – eine Position, die theoretisch die Interessen von Missbrauchsopfern vertreten soll. Recherchen des Cicero-Magazins sowie Berichte der Tagespost offenbaren, dass mehrere Bischöfe, darunter Kardinal Reinhard Marx und Bischof Rudolf Voderholzer, bereits vor Jahren kritische Stimmen erhoben. Sie bezeichneten es als unerträglich, dass jemand mit solchen Vorwürfen in einem Gremium sitzt, das für die Rechte von Opferfällen steht.
Rothe bestreitet bis heute jegliche Beziehung zu dem Seminaristen und verlor mehrere Gerichtsverfahren gegen die Berichterstattung. Zudem erhielt er im Dezember 2025 den Bayerischen Verfassungsorden für sein Engagement in der Sache der Missbrauchsopfer – eine Auszeichnung, die auf Widerstand stieß. Kardinal Marx, der Rothe später in einer schwulen WG unterstützte, bleibt weiterhin ein zentraler Akteur in seiner Karriere.