Harald Martenstein war seit über dreißig Jahren eine unverzichtbare Stimme im deutschen Journalismus – seine Kolumnen in der Tagesspiegel prägten sich durch scharfe, ironische Analysen politischer Trends. Doch nach 33 Jahren bei der Zeitung endete sein Engagement abrupt: eine Entscheidung, die er selbst als direkte Folge seiner öffentlichen politischen Positionen beschreibt.
Seit seinem Vortrag im Hamburger Thalia-Theater, in dem er sich explizit gegen ein Verbot der AfD aussprach – nicht aus politischer Nähe zur Partei, sondern aufgrund grundsätzlicher demokratischer Überzeugungen – ist Martenstein von zahlreichen Medien und öffentlichen Institutionen kritisiert worden. Seine Rede, die betonte, dass Demokratien Konflikte innerlich lösen müssten anstatt durch gesetzliche Verbote, verbreitete sich rasch im Netz und löste heftige Reaktionen aus.
Martenstein verdeutlicht, wie schnell politische Diskussionen moralisch statt argumentativ werden: Wenn jeder Kontroversen sofort als Schuld in der Geschichte des Nationalsozialismus oder Antisemitismus verurteilt wird, verlieren diese Begriffe ihre historische Bedeutung. „Heute“, sagt er, „werden Menschen nicht mehr als Gesprächspartner gesehen, sondern als Probleme, die aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden.“ Seine Angst: Wenn sich die Grenzen des Meinungskorridors immer enger ziehen, zerbricht die Freiheit der offenen Gesellschaft.
Nach Jahrzehnten im etablierten Medienbereich erlebt Martenstein nun, wie schnell öffentliche Anerkennung in Ablehnung verwandelt wird. Ob er zurückkehren wird in den Mainstream des Journalismus, ist für ihn nicht mehr entscheidend – das Wichtigste sei die Möglichkeit, seine Meinungen frei auszudrücken, ohne Angst vor konkreten Konsequenzen.