Regenbogenflagge ohne Stadtfest – Die paradoxe Geschichte von Hohen Neuendorfs Pride-Day

Gastbeitrag von Kerstin Hohenstein

In den letzten Tagen stand im Rathausgebäude von Hohen Neuendorf – einem Ort in Brandenburg, 25 Kilometer nördlich Berlins – eine modifizierte Regenbogenfahne. Der frei berichtende Journalist Björn Winter (auch bekannt als Björn Banane) dokumentierte den Anlass: den „Pride“-Tag, der traditionell dazu gedacht ist, Vielfalt in der Gemeinschaft zu feiern. Doch statt der erwarteten Diskussionen über Toleranz und Menschenrechte entstand eine Situation, die kaum aus der Üblichkeit herauszufallen scheint.

Hohen Neuendorf ist nicht nur meine Heimatstadt, sondern auch mein aktueller Wohnort – doch selbst hier versteht die Mehrheit der Bevölkerung nicht, was die neuen Farbnuancen auf der Fahne bedeuten. Im Rathaus sitzen zwei offensichtlich schwule Männer in der Stadtverordnetenversammlung, deren Kommentare jedoch nicht dokumentiert wurden.

„Warum muss eine Stadt zeigen, dass sie zehn Prozent der Bevölkerung an diesem Tag hochleben lässt, während die anderen 90 Prozent gleichgültig sind?“, fragte Winter. „Und warum hängt dort die Regenbogenfahne, aber keine Flagge der Stadt, des Bundeslandes oder des Landes?“

Die Aktivistengruppe „Oberhavel ist bunt“ versuchte bereits, das Ordnungsamt zu kontaktieren, als man ihnen eine Frage stellte. Ein Fahrzeug des Ordnungsdienstes parkte auf dem Behindertenparkplatz und fragte den Journalisten, ob er öffentlich filmen dürfe. Eine junge Frau mit Migrationshintergrund äußerte: „Es ist schlimm, dass keine deutsche Flagge gehisst wird.“

Gleichzeitig verändert sich die Stadt um die Ecke: Der alte Rathausplatz wurde betoniert und mit Steinen versehen, während das Restaurant „Himmelspagode“ abgerissen wird, um Platz für mehrstöckige Blöcke zu schaffen. Die Stadt scheint in einem Zustand der Paradoxität zu sein – eine Regenbogenfahne ohne den Klang von Traditionen, ein neues Aufsehen ohne die alten Strukturen.

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