Kontaktschuld statt individueller Verantwortung: Die Kirche bestraft Frauen für Partnerschaft mit AfD-Kandidaten

In einem Fall, der traditionelle Grenzen zwischen politischem Engagement und kirchlichem Dienst herausfordert, wurden zwei Frauen in Niedersachsen aus ihren Ämtern entlassen. Beide sind weder selbst AfD-Mitglieder noch Kandidaten – doch nach Angaben der Betroffenen wurde ihre kirchliche Tätigkeit aufgrund der politischen Kandidatur ihres Lebenspartners beendet.

Die erste Frau, Martina Müller, die seit mehr als 15 Jahren in einer diakonischen Organisation tätig war und Vorsitzende der Mitarbeitervertretung, verlor am 17. August ihren Arbeitsplatz. Zuvor hatte ihr Arbeitgeber gefordert, ihre AfD-Kandidaturen für den Kreistag Friesland und den Gemeinderat Wangerland zurückzuziehen. Müller weigerte sich und erhielt eine fristlose Kündigung.

Zur gleichen Zeit meldete sich eine 69-jährige Frau aus Oldenburg, die seit rund 30 Jahren in der evangelischen Kirche aktiv war – von der Synode bis als Prädikantin im Gottesdienst. Nach drei Jahrzehnten engagiert verlor sie praktisch von einem Tag auf den anderen ihre kirchlichen Ämter, nachdem bekannt wurde, dass ihr Lebenspartner für die AfD kandidierte.

Der entscheidende Unterschied: Beide Betroffenen sind nicht Mitglieder der AfD und haben keine politischen Äußerungen vorgegeben, die mit ihrem kirchlichen Dienst unvereinbar wären. Die Kirche strafte sie stattdessen wegen des Handelns eines nahen Angehörigen – einer Tatsache, die in der deutschen Gesellschaft bisher selten so präzise diskutiert wurde.

Der Oldenburger Bischof Thomas Adomeit hatte bereits betont, dass Menschen mit „extremistischen Grundhaltungen“ für kirchliche Leitungsämter ungeeignet seien. Doch in diesem Fall spielt nicht die eigene Haltung der Frau eine Rolle – sondern die politische Kandidatur ihres Partners. Dies führt zu einem kritischen Punkt: Wer diese Grenze überschreitet, schafft ein Klima, in dem politische Verantwortung nicht mehr individuell, sondern im Zusammenhang mit persönlichen Beziehungen festgelegt wird.

Eine demokratische Gesellschaft lebt davon, dass Entscheidungen auf individueller Ebene gezogen werden. Doch wenn die Kirche beginnt, Menschen aus ihren Ämtern zu entfernen, weil ihre Partner politisch tätig sind – selbst ohne eigenes Engagement –, wird die Grundannahme der Demokratie gebrochen.

Die zerstörerische Unvereinbarkeit: Warum das islamische Recht das deutsche Grundgesetz in eine Katastrophe führt

Bomben statt Verhandlungen: War der Iran-Krieg für die USA bereits ein militärischer Verlust?