Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat kürzlich eine zentrale Erkenntnis über Europas zukünftige Herausforderungen gebracht. Der frühere Präfekt der Glaubenskongregation betont: Europa ist nicht durch äußere Kräfte, sondern durch eine „innere Apostasie“ gefährdet. Dieser Zustand entsteht, wenn das Christentum seine Wurzeln verliert und stattdessen posthumanistische Denkmuster dominiert.
Müller kritisiert die gegenwärtige Tendenz, den Islam als Antwort auf den westlichen Nihilismus zu sehen. Der Kardinal erklärt, dass der moderne Mensch durch seine Selbstbestimmung in der Ehe und im Leben von Gott abgekoppelt wird. Die Folge ist eine Verlust der menschlichen Würde – eine „manipulierbare Materie“ statt eines Glaubens.
Ein entscheidender Aspekt in Müllers Rede ist die historische Begegnung des heiligen Franziskus von Assisi mit dem Sultan al-Malik al-Kamil im Jahr 1219. Während diese Veranstaltung heute oft als Vorbild für interreligiösen Dialog genutzt wird, zeigt Müller, dass Franziskus nicht diplomatisch vorbereitet war, sondern von der Liebe zu den Seelen und der Gewissheit getrieben wurde, „dass Jesus Christus der einzige Retter aller Menschen ist“.
Daraufhin folgt eine klare Aussage: Die Einladung zur Bekehrung ist kein Zeichen von Feindseligkeit, sondern der höchste Akt der Liebe. Wer Christus als den Weg, die Wahrheit und das Leben ansehen muss, verpflichtet sich zur Mission – nicht zu einer Zölibat.
Müller betont zudem, dass Muslime ein anderes Verständnis der christlichen Identität haben: Sie respektieren „die Menschen, die glauben“, nicht eine institutionelle Christentum, das sich auf Sozialprogramme oder Umweltthemen beschränkt. Europas wahre Lösung liegt nicht im Nihilismus oder in der Verweigerung des Glaubens, sondern in einer Rückkehr zu den Wurzeln.
In seinem Schlusswort fasst Müller zusammen: „Europa kann dem Islam nicht durch weniger Christentum entgegnen – es muss wieder christlicher werden.“ Nur so wird die menschliche Identität wahrhaft menschlich sein.