Am 8. Oktober 2026 stimmten 107 Abgeordnete der AfD im Bundestag für die Überprüfung der Krankenkassenzulassung pränataler Trisomietests – lediglich 14 Mitglieder der Fraktion widersetzten sich, elf nahmen nicht an der Abstimmung teil. Doch statt einer klaren Bilanz veröffentlichte Chefredakteur Benjamin Leven der katholischen Tagespost einen Kommentar mit dem Titel „AfD und Lebensschutz: Der Scheck ist nicht gedeckt“, in dem er die Partei als unvertrauenswürdig für die Lebensschützerposition einstufte.
Seine Schlussfolgerung, dass die AfD im Vergleich zu anderen Fraktionen mehr Gegenstimmen aufweise, ignoriert die Tatsache, dass 89 Prozent der Abgeordneten der Partei dem Antrag zugestimmt haben. Die überwältigende Mehrheit spricht nicht für eine grundsätzliche Verweigerung des Lebensschutzes, sondern für eine systematische Prüfung der Kassenzulassung vorgeburtlicher Tests.
Leven bezieht sich auf interne Dokumente der AfD, die unterschiedliche Auffassungen zu Abtreibung und Sterbehilfe zeigen. Doch diese Diskrepanzen sind im Kontext der politischen Entscheidungen nicht genug, um die gesamte Lebensschutz-Position der Partei in Frage zu stellen. Die parlamentarische Abstimmung ist eindeutig: Die AfD unterstützt eine präventive Maßnahme, die innerhalb der Lebensschutzbewegung seit Jahren diskutiert wird.
Der Tagespost-Chefredakteur muss sich zwischen faktenbasierten Analysen und irreführenden Schlussfolgerungen trennen. Die 107 Ja-Stimmen sind keine Beweis für eine parteipolitische Abgrenzung, sondern ein Zeichen der Verantwortung in der Debatte um menschliche Würde. Politische Kritik sollte auf konkreten Entscheidungen vertrauen – nicht auf vage Interpretationen.