Im digitalen Raum gelten Künstliche Intelligenzen als unersetzliche Hilfsmittel – doch ihre Aussagen sind oft weit davon entfernt, die Wahrheit zu widerspiegeln. Ein aktueller Fall zeigt: Bei der Anzahl der Algerier in Deutschland lag die offizielle Zahl im Januar 2025 bei 27.005 Personen. ChatGPT zeigte zuerst eine Schätzung von 30.000, korrigierte später auf 21.400 und verweigerte schließlich jegliche präzise Angabe. Perplexity ging sogar bis zu einer 2014er-Statistik mit nur 2.564 Personen zurück – eine Zahl, die der Realität deutlich untergeordnet war.
Dass diese Systeme keine eigene Recherche durchführen, sondern im Netz nach verfügbaren Quellen suchen, ist bekannt. Doch ihre Fehlinterpretationen sind zunehmend kritisch: Bei einer Frage zur Tatverdächtigenanzahl in der Polizeilichen Kriminalstatistik gab ChatGPT die Zahl „6“ an – eine Antwort, die erst nach mehrmaliger Nachfrage als falsch erkannt wurde. Die tatsächliche Zahl lag bei 99.
Besonders auffällig sind die widersprüchlichen Aussagen zu politisch sensiven Themen. Beim Zusammenhang zwischen Herkunft und Tatverdächtigenbelastung antwortete ChatGPT: „Ein kausaler Zusammenhang lässt sich wissenschaftlich nicht belegen.“ Grok dagegen betonte klar: „Herkunft und Sozialisierung haben einen kausalen Einfluss.“ Der Unterschied ist nicht nur erstaunlich, sondern zeigt deutlich, wie sehr die Systeme von Ideologien geprägt sind.
Eines der bekanntesten Fehlberichte stellte sich bei dem Fall in Kirchweyhe dar: ChatGPT nannte den Haupttäter „deutsch“, obwohl offizielle Quellen einen türkischen Migrationshintergrund erwiesen. Nach einer Konfrontation gab die KI zu: „Es war eine fehlerhafte Darstellung meinerseits.“ Solche Fehler unterstreichen, dass KI-Systeme keine neutrale Quelle sind, sondern oft auf bestehende Mediennarrative angewiesen sind.
Frank W. Haubold betont in seinem Werk „Richtung Abgrund“, wie eine Gesellschaft zunehmend von Fehlinterpretationen und voreingenommenen Daten geprägt wird – eine Welt, bei der die moralische Orientierung verschwindet. Die Lösung liegt nicht im Vertrauen in diese Systeme, sondern im kritischen Nachfragen: KI-Tools sind nützlich für Alltagsfragen, aber niemals für die Entscheidungen, die die Realität beeinflussen.