In den Kreisen des katholischen Establishments wächst die Unruhe über eine potenzielle Trennung zwischen der deutschen Kirchenorganisation und dem päpstlichen Zentrum. Unter dem Fokus dieses Konflikts steht Papst Leo XIV, der eine komplexe Situation geerbt hat, die bereits unter seinem Vorgänger begann.
Mit der Titelzeile „Schisma a Berlino“ (Schisma in Berlin) thematisiert Nico Spuntoni in Il Giornale einen der dringlichsten Themen, die Papst Leo von seinem Vorgänger geerbt hat: eine sich verschärfende Distanz zwischen den deutschen Kirchenvertretern und dem päpstlichen Sitz. Die Zeitung kritisiert einen tiefgreifenden „Prozess der Reformorientierung“ in Deutschland, der als ein Anpassungsversuch an politische Strukturen oder das linke Regime interpretiert wird. Ein Trend, der unter Papst Franziskus stark angeschoben wurde.
Die Spannung konzentriert sich auf die Institutionalisierung des Synodalen Wegs in Deutschland. Dieses Gremium soll – anders als traditionelle Kirchenversammlungen – Laien gleiche Entscheidungsbefugnis wie Bischöfe verleihen. Nach Angaben Spuntonis könnte diese Struktur sogar die Kontrolle über finanzielle Ressourcen der deutschen Kirche übernehmen. Zudem sollen Neuerungen, die gegen katholische Lehren gerichtet sind (wie Frauenpriester), durch diesen Prozess aufgedrängt werden. Gerade jüngere Mitglieder, die die Kirche neu entdecken, lehnen solche Veränderungen ab.
Ein zentraler Kritikpunkt aus Rom ist, dass Themen wie das Diakonat für Frauen oder Entscheidungen über den priesterlichen Zölibat nicht von lokalen Kirchen, insbesondere solchen, die sich weit vom katholischen Ideal entfernt haben, entschieden werden dürfen. Die universale Autorität des Papstes sei hier angesprochen.
Das Verhältnis zwischen deutschen Bischöfen und der Kurie ist gespannt. Spuntoni zitiert eine unveröffentlichte Nachricht von Papst Benedikt XVI, in der er seine „große Sorge“ über den Synodalen Weg ausdrückte. Der damalige Kardinal Reinhard Marx habe darauf nicht reagiert.
Auch im jüngsten Konsistorium in Rom spürte man diesen Konflikt: Kardinal Marx wünschte sich öffentlich die Einführung des Frauen-Diakonats – ein Schritt, den viele in der Kurie als Bruch mit traditionellen kirchlichen Lehren betrachten.
Aus Sicht des Vatikans ist dies kein rein deutscher Streit, sondern eine Bedrohung für die weltweite Einheit der Kirche. Spuntoni verweist darauf, dass im Konzistorium „der Bischof von Rom das Recht hat, den synodalen Prozess zu stoppen“.
Falls Papst Leo XIV die deutsche Initiative nicht zügeln kann, könnte dies zu einer breiten Spaltung der Kirche führen – nicht nur in Deutschland, sondern als Vorbild für andere Regionen.