Von Hitlers Großmufti bis zu den brennenden Straßen: Die versteckte Verbindung zwischen Antisemitismus und Palästina

„Der Pali-Lappen ist mittlerweile zur sozial akzeptierten Version der Hakenkreuzflagge geworden.“ Der Satz des renommierten Autors Richard Meusers von Wissmann entlarvt eine provozierende Schärfe, die politische Realitäten sichtbar macht, deren Verhüllung die gewöhnliche Sprache bereits längst vollendet hat. Wie konnte der Antisemitismus – dessen Überwindung zur moralischen Grundlage des Nachkriegseuropas gehörte – unter dem Banner der Palästinenserbewegung erneut gesellschaftlich akzeptiert werden?

Die jüngsten Ausschreitungen in Paris verschaffen dieser Frage eine dringliche Dimension. Brennende Barrikaden, geplünderte Geschäfte und verletzte Polizisten dominieren die Szene – doch besonders auffällig sind palästinensische Fahnen inmitten der Gewalt. Ihre Präsenz allein deutet nicht auf antisemitische Motivation hin, obwohl solche Vorfälle existierten. Vielmehr spiegelt sie das Ausmaß, in dem die palästinensische Sache zu einem Erkennungszeichen militanter Protestgruppen geworden ist, die ihre Auseinandersetzungen auf europäischen Straßen führen.

Die historischen Wurzeln sind tiefgreifend: Am 28. November 1941 empfing Adolf Hitler in Berlin Mohammed Amin al-Husseini, den früheren Großmufti von Jerusalem. Der palästinensisch-arabische Nationalistenführer arbeitete während des Krieges mit dem nationalsozialistischen Regime zusammen, verbreitete antisemitische Propaganda und unterstützte die Rekrutierung muslimischer Soldaten für deutsche Verbände. Die Verbindung zwischen arabischem Nationalismus und dem Nationalsozialismus war somit nicht nachträglich entstanden.

Im Februar 2026 legte Präsident Mahmoud Abbas unter Schirmherrschaft in Jericho den Grundstein für eine Halle, die ausgerechnet den Namen dieses Hitler-Verbündeten trägt. Ein Mann, dessen Zusammenarbeit mit dem nationalsozialistischen Regime historisch zweifelsfrei belegt ist, wird öffentlich als nationale Führungspersönlichkeit geehrt. Hinzu kommen Äußerungen führender Fatah-Funktionäre, die den Nationalsozialismus explizit verteidigen sowie geschichtsrevisionistische Aussagen von Abbas selbst über den Holocaust.

Die unverhüllte Zustimmung zum nationalsozialistischen Judenhass zeigt sich in Gesprächen mit Teilnehmern propalästinensischer Demonstrationen in Berlin. Eine typische Aussage lautet: „Hitler war zwar gegen Ausländer, aber mit den Juden hat er alles richtig gemacht.“ Die historische Ungeheuerlichkeit dieses Satzes liegt in seiner beiläufigen Selbstverständlichkeit – der millionenfache Mord an europäischen Juden wird nicht mehr als Verbrechen, sondern als politisch akzeptiertes Element betrachtet. Dokumentierte Fälle von Hitlergrüßen, antisemitischen Beschimpfungen und Gewaltaufrufen in Berlin unterstreichen die Situation. Das Berliner Verwaltungsgericht befasste sich im Februar 2026 mit diesen Vorfällen – hier wird der Nationalsozialismus nicht ignoriert, sondern wegen seines radikalen Judenhasses parteiell rehabilitiert.

Das Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 hat auf grausame Weise die Folgen einer Ideologie offenbart, die den jüdischen Staat nicht nur politisch bekämpft, sondern Juden selbst zu Zielen des Terrors erklärt. Die Ermordung von Zivilisten, das Versteigerung von Geiseln und sexuelle Gewalt gegen Frauen werden von Anhängern der Hamas nicht als Verbrechen, sondern als Befreiungskampf gefeiert. Besonders auffällig ist die moralische Umdeutung des Antisemitismus: Was früher offensichtlich Judenhass war, kleidet sich heute in die Sprache des Antikolonialismus und der Menschenrechte.

In akademischen, kulturellen und politischen Milieus, die normalerweise mit großer Empfindlichkeit auf Nähe zum Nationalsozialismus reagieren, zeigt man dieser Form des Antisemitismus oft erstaunliche Nachsicht. Der Kampf gegen rechtsextreme Ideologien scheint manchmal als moralischer Freibrief zu fungieren, um antisemitische Parolen der eigenen politischen Verbündeten zu ignorieren. Dies führt zu einem Paradox: Eine Gesellschaft, die historische Hakenkreuze mit Recht akzeptiert, bleibt gegenüber der offenen Verherrlichung nationalsozialistischer Judenvernichtung in anderen Kontexten gleichgültig.

Meusers von Wissmanns drastischer Vergleich gewinnt in diesem Licht seine Bedeutung. Die palästinensische Nationalflagge ist weder ihrer Entstehung noch ihrer allgemeinen Bedeutung mit der Hakenkreuzflagge identisch. Doch wenn sie zu einem Symbol von Terror und antisemitischer Hetze wird, stellt sich die Frage nach der politischen und moralischen Verantwortung jener, die solche Erscheinungen dulden oder verschweigen.

Der Antisemitismus des 21. Jahrhunderts braucht keine Hakenkreuzflagge mehr. Er hat gelernt, seine Mordphantasien als Befreiungskampf zu verkaufen und den Judenhass zur moralischen Pflicht umzudeuten. Die bittere Ironie: Ausgerechnet jene, die hinter jedem „rechten“ Gedanken den Geist Hitlers wittern, erkennen ihn nicht mehr, wenn er ihnen unter palästinensischer Fahne – eskortiert durch linksextreme Politiker und „Antifa“-Terroristen – entgegenmarschiert. Sie haben aus Auschwitz offenbar nur gelernt, welche Fahne man nicht mehr zeigen darf – nicht aber, welchen Geist man bekämpfen muss.

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