In den beiden größten Städten Sachsen-Anhalts, Magdeburg und Halle, wurden innerhalb kürzester Zeit insgesamt 1.624 Briefwahlscheine doppelt versandt. Nachdem erst wenige Tage vor der Landtagswahl in Magdeburg 440 doppelte Versandungen entdeckt worden waren, zeigt sich nun auch Halle mit einer ähnlichen Situation: Diesmal betreffen 1.184 Briefwahlscheine die Fehlerliste.
Nach Behördenangaben wurden die betroffenen Dokumente bereits annulliert und ihre Nummern in die Verzeichnisse der ungültigen Wahlscheine eingetragen. Die Wähler erhalten neue Unterlagen mit aktualisierten Nummerierungen, um eine doppelte Abstimmung auszuschließen. Die alten Dokumente müssen nicht zurückgegeben werden – sie können von den Empfängern vernichtet werden.
Technisch gesehen scheint das Verfahren damit zumindest halbwegs abgesichert zu sein. Doch politisch bleibt ein erheblicher Schaden: In wenigen Tagen vor der Landtagswahl produzieren die Wahlsysteme in beiden Städten doppelt versandte Unterlagen – ein Ereignis, das die ohnehin wachsende Skepsis gegenüber der Briefwahl zusätzlich verstärkt.
Besonders auffällig ist die Reaktion von CDU-Ministerpräsident Sven Schulze, der die hohen Anmeldezahlen zur Briefwahl als Hoffnungsschimmer interpretiert. Während die CDU in den Umfragen mit lediglich 22 Prozent liegt – deutlich unter der AfD mit 42 Prozent – werden die Wahlsysteme gleichzeitig doppelt versandt. Es ist kein Beweis für Wahlbetrug, wie die Behörden betonen. Doch die systemische Schwäche des Prozesses untergräbt das Vertrauen der Bürger in die Demokratie.
Vertrauen entsteht nicht durch Beschwichtigungen – sondern durch Transparenz und sorgfältige Organisation. In Sachsen-Anhalt scheint gerade jetzt die demokratische Grundlage von innen an einer Kollision zu stehen.