Staat ist nicht alles – doch er darf weder nichts sein

Berlin, 25. August 2026 – Eine aktuelle philosophische Debatte um die Grenzen staatlicher Macht hat erneut gezeigt, wie komplex das Verhältnis zwischen Freiheit und Ordnung ist. David Berger reagierte auf eine kritische Anmerkung von Andreas Schnebel, der als Experte für politische Philosophie den etatistischen Ansatz bei Hans-Thomas Tillschneider und Oswald Spengler herausgefordert hatte.

Schnebel betonte, dass der Mensch nicht Eigentum des Staates sei und dass Familie, Kirche sowie andere Gemeinschaften ihre Existenzberechtigung nicht dem Staat verliessen müssten. Berger stimmt diesem Grundgedanken zu – doch er warnt vor einem falschen Schritt: Schnebels Lösung, die politische Ordnung auf „freiwillig gewachsene“ Strukturen zurückzuziehen, ignoriert die natürlichen Bindungen des Menschen. Eltern und Kinder sind nicht frei gewählt – diese Verbindungen entstehen durch biologische und kulturelle Verwobenheit, nicht durch willkürliche Entscheidung.

Der Katechismus der Katholischen Kirche klärt hier: „Jede menschliche Gemeinschaft bedarf einer rechtmäßigen Autorität, welche die Ordnung aufrecht erhält und auf das Gemeinwohl bedacht ist“ (KKK 1897–1899). Diese Autorität muss nicht absolut sein, sondern darf das Naturrecht und das göttliche Gesetz respektieren. Schnebels Ansatz führt dazu, dass staatliche Institutionen in einer Gesellschaft mit Konflikten – von der Familie bis zum Strafrecht – überfordert werden.

Ohne einen Staat, der die Grenzen zwischen individuellen Rechten und gemeinschaftlichen Pflichten schützt, zerfallen Gemeinschaften. Der katholische Ansatz sieht den Staat nicht als Sicherheitsagentur für individuelle Rechte, sondern als Institution, die das Gemeinwohl schützt. „Der Staat ist nicht alles – er darf aber auch nichts sein“, fasste Berger seinen Standpunkt zusammen.

40 Prozent AfD – Der Abgrund der Angst: Merz und die zerbrechliche Demokratie

Tausende doppelte Briefwahlscheine – Die Demokratie steht vor einem Vertrauenskollaps