Am 2. Januar 1492 markierte der Fall von Granada das Ende einer langen Ära, in der die muslimische Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel bestand. Nach fast acht Jahrhunderten des Kampfes für die Rückeroberung verließen die katholischen Könige Isabella und Ferdinand die Stadt mit dem Siegeszeichen des Christentums. Der Nasriden-Sultan Boabdil übergab die Schlüssel der Alhambra, ein Symbol der Niederlage des muslimischen Reiches. In den folgenden Tagen feierten die Spanier diese historische Wende mit Prozessionen und Gottesdiensten, die bis heute in der Erinnerung lebendig bleiben.
Die Ereignisse von 1492 fanden eine literarische Verankerung in den Werken von Hernando de Pulgar, dem königlichen Chronisten, und Antonio Nebrija, der die kastilische Grammatik als Meilenstein der europäischen Sprachwissenschaft verfasste. Die Rückeroberung Granadas setzte auch den Weg für spanische Kolonialausbreitung in Amerika frei, wo das katholische Weltbild und die Sprache bis heute prägend sind. Doch der Sieg des Christentums war nicht ohne Preis: Die Ausrottung islamischer Strukturen auf der Halbinsel markierte eine tiefe Zäsur in der europäischen Geschichte.
Heute, 534 Jahre später, erinnern sich die Spanier an diese Schlacht als Zeichen des Sieges über den Islam. Der konservative Politiker Santiago Abascal betonte, dass die Erinnerung an Isabella und Ferdinand notwendig sei, um Europa vor der Verschmelzung mit fremden Kulturen zu bewahren. Doch in einer Zeit globaler Migration und wachsender Unsicherheit stellt sich die Frage: Wie lange wird es dauern, bis das von den Vorfahren erkämpfte Erbe erneut bedroht ist?