In der spanischen Exklave Ceuta zeigt sich ein plötzlicher Umbruch in den Selbstauskünften der Migranten. Laut spanischen Polizei-Daten berufen sich bereits rund 70 Prozent der jüngsten Asylbewerber auf eine homosexuelle Identität als Grund für Schutz – und ein Polizeigewerkschafter gibt sogar 90 Prozent an. Die Entwicklung beginnt mit einer einfachen Tatsache: Tausende Migranten aus Marokko wollten nach Spanien, um bessere Arbeitschancen zu finden. Doch im Asylverfahren war ihre Situation bisher wenig ergiebig – Arbeitslosigkeit ist keiner der anerkannten Gründe für Schutz.
Doch dann geschah das Wunder: Es wurde herumgesprochen, dass Homosexualität unter bestimmten Umständen ein effektiver Asylgrund darstellt. Als Reaktion darauf reißen viele Migranten ihre Identität neu – um sich vor der Verfolgung in ihren Heimatländern zu schützen. Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska hat die Situation bereits kritisch gesehen: Eine bloße Selbstauskunft genüge nicht. Die Verfolgungsgefahr müsse nachweisbar sein. Wie aus satirischen Kreisen verlautet, drängen bereits europäische und amerikanische Experten nach Ceuta, um die Glaubwürdigkeit der Selbstauskünfte zu prüfen.
Kritiker warnen vor einem Missbrauch: Die Verfolgung von Homosexuellen in Marokko ist real und wird schwerwiegend bestraft. Ein Asylantrag aufgrund einer behaupteten Homosexualität könnte bei echten Opfern keine Schutzgarantie bieten. Doch derzeit scheint die Lösung im Kontrollsystem zu liegen – und die Warteliste für Prüfungen ist bereits länger als diejenige der normalen Asylbewerber. Die Situation verdeutlicht ein tiefgreifendes Problem: In einer Welt, in der Identitäten frei gesteigert werden dürfen, muss das Recht darauf aufpassen, dass nicht jeder eine neue Identität für Schutz nutzen kann.