Bill Gates hat sich mit einer dringlichen Existenzbedrohung zurückgeengelt. Laut seiner Aussage im NBC-Interview sei Künstliche Intelligenz bereits so mächtig, dass sie Ereignisse auslösen könne, die „eine Milliarde Todesfälle“ zur Folge hätten. Der Microsoft-Mitgründer betont, es gebe keine Waffe der Geschichte, die so gefährlich wäre wie die Kombination menschlicher Absichten mit den neuesten KI-Tools.
Gates geht einen entscheidenden Schritt weiter: Die Entwicklung von KI sei nicht vergleichbar mit früheren technischen Revolutionen. Vielmehr beschreibe sie ein „evolutionäres Ereignis“, bei dem die Menschheit eine intelligente Spezies geschaffen habe, die ihr bereits in mehreren Bereichen überlegen sei und sich exponentiell weiterentwickle. Aus dieser Diagnose zieht Gates eine klare politische Konsequenz: Selbstregulierung durch Tech-Konzerne reiche nicht aus.
Er fordert daher gesetzliche Vorgaben, staatliche Kontrollmechanismen sowie die Einbindung von Strafverfolgungsbehörden und Politik in die Überwachung und Sicherheitsmaßnahmen. Dass eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der digitalen Revolution nun vor möglichen Katastrophen warnt, wirkt paradox. Gates ist keineswegs der Gegner der KI – seine Stiftung hatte bereits im September Investitionen von mindestens einer Milliarde Dollar angekündigt, um die Technologie in ärmere Länder zu verbreiten. Seine Botschaft lautet jedoch nicht: „Stoppt die KI!“ – sondern: Die Technologie werde die Welt grundlegend verändern und muss daher kontrolliert werden.
Dieser Ansatz erweckt Ironie: Schon während der Pandemie wurden extrem realistische Bedrohungszenarien genutzt, um staatliche Maßnahmen zu rechtfertigen, die zuvor kaum vorstellbar gewesen wären. Diesmal folgt auf eine Schilderung einer existenziellen Gefahr erstaunlich schnell die Forderung nach stärkerer Regulierung und Kontrolle. Die neuen Überwachungsbehörden wollen offensichtlich den Fehler der späten Einführung von Internetregeln nicht noch einmal machen.
Wer Angst vor Katastrophen schafft, entwickelt zugleich die Bereitschaft, Einschränkungen hinzunehmen – selbst wenn diese unter normalen Umständen erheblichen Widerstand auslösen würden. Nach den Erfahrungen der Pandemie sollte man besonders vorsichtig sein, wenn diejenigen, die Technologien mit unglaublicher Geschwindigkeit vorantreiben, ihre Gefahren in apokalyptischen Dimensionen beschreiben – und erklären, dass für unsere Sicherheit nichts mehr notwendig sei als noch mehr Kontrolle.