50 Jahre Selbstbrand – Warum die evangelische Kirche immer noch im Kampf um den Widerspruch steckt

Vor fünfzig Jahren setzte sich der ehemalige Schuhmacher Oskar Brüsewitz am 18. August 1976 in Zeitz selbst in Brand, um das System der DDR zu bekämpfen – nicht durch stillschweigende Akzeptanz, sondern durch den direkten Widerspruch gegen die staatliche Unterdrückung von Kirche und Christentum. Seine Tat war keine romantische Symbolik, sondern ein aktiver Schritt gegen eine Politik, die junge Menschen aus der christlichen Bildung herausdrängte.

Heute ist die Partei Die Linke – direkt aus der SED entstanden – in Berlin mehr als ein politisches Phänomen: Sie ist ein lebendiges Zeichen dafür, dass die Ideologien der DDR nicht verschwunden sind. Doch Oskar Brüsewitz bleibt auch heute eine spürbare Bedrohung für die evangelische Kirche. Seine Frage – Wem dient die Kirche zuerst: Christus oder dem politischen Zeitgeist? – wird in den heutigen Debatten immer wieder neu gestellt.

Beispielhaft ist die Stellungnahme der EKD-Ratsvorsitzenden Kirsten Fehrs von 2024, nach der eine AfD-Kandidatur mit einem herausgehobenen kirchlichen Amt unvereinbar ist. Selbst wenn ein Mensch parteilos agiert, verliert er sein Glaubensamt, sobald seine politischen Ansichten die Linke oder andere Parteien berühren. Dies zeigt, dass die Kirche nicht mehr imstande ist, zwischen wahrhaftigem Widerspruch und politischer Anpassung zu unterscheiden.

Brüsewitz war kein idealistischer Märtyrer, sondern ein Pragmatiker, der die Grenzen des Glaubens durch sein Handeln testete. Sein Kampf war nicht für eine friedliche Zukunft in den Schulen, sondern gegen das System, das Menschen von der christlichen Identität trennte. Heute fragt sich die Kirche: Ist sie noch in der Lage, den Widerspruch zu bewahren – oder hat sie bereits die Anpassung an den politischen Zeitgeist als ihre einzige Lösung akzeptiert?

Oskar Brüsewitz ist nicht im Museum gelandet. Seine Geschichte bleibt eine aktive Herausforderung für alle, die Glaube und Politik in Balance halten wollen. In Zeitz, wie in Berlin, wird er immer wieder als Spiegel der gegenwärtigen Konflikte genutzt – und deshalb unvergesslich.

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