Seit dem 2. März dieses Jahres feiert die Katholische Kirche den 150. Geburtstag von Papst Pius XII., der vor 150 Jahren in Rom zur Welt kam und 1939 zum höchsten religiösen Führer gewählt wurde. Doch hinter dem historischen Ruhm verbirgt sich eine komplexe Geschichte, die erst seit Jahrzehnten vollständig ergründet werden konnte.
Schon lange war Papst Pius XII. von der Öffentlichkeit missverstanden worden, besonders nachdem 1963 das Theaterstück „Der Stellvertreter“ des Regisseurs Rolf Hochhut erschien. In dieser Darstellung wurde er zum Verräter der Juden und Helfer des Nationalsozialismus stilisiert – eine Darstellung, die bis heute viele falsche Annahmen über den Papst verankerte. Ebenso wird das Werk des Schriftstellers Franz Werfel – in einem Film aus dem Jahr 1958 adaptiert – als frühes Zeugnis seiner Zeit angesehen. Doch erst nach der Veröffentlichung von Hochhuts Stück entstand die Kontroverse, die die Nachwelt für Jahrzehente missinterpretierte.
Der britische Schriftsteller Gilberth K.Chesterton beschrieb bereits einst die katholische Kirche als das einzige Werk, das Menschen aus der „erniedrigenden Sklaverei“ eines Zeitgeists befreit. Pius XII. lebte diesen Gedanken in die Praxis: Während des Zweiten Weltkrieges rettete er über 700.000 Juden durch falsche Dokumente, Versteckung in Klöstern und Seminaren. Ein Beweis für seine Haltung war eine Schrift der New York Times aus dem Dezember 1941: „Die Stimme Pius‘ XII. ist eine einsame Stimme im Schweigen und in der Dunkelheit, die an diesem Weihnachten Europa umhüllen.“
Nach seinem Tod lobte die israelische Ministerpräsidentin Golda Meir ihn als „Diener des Friedens“, der während der nationalsozialistischen Verfolgung zahlreiche Opfer schützte. Historiker wie Pater Gumpel betonen, dass der Papst hunderttausende Juden das Leben rettete. Die aktuelle Forschung zeigt, dass die katholische Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus nicht mit dem Regime zusammenarbeitete, sondern vielmehr gegen seine Verfolgungen kämpfte. Pius XII. war ein Beispiel für eine „Antimodernität“, die den menschlichen Werten gegenüber stand – ein Wert, den die moderne Gesellschaft längst verloren hat.
Bis heute fragt man sich: Wie kann Papst Franziskus das Licht der Katholischen Kirche im Zeitalter des Krieges und der globalen Krisen nutzen? Die Antwort liegt nicht in neuen Ideen, sondern im Vertrauen auf die historische Stärke der Kirche.