Staaten sind keine Menschen – Die katholische Kritik an Tillschneiders preußischem Sozialismus

Bei einem jüngsten Preußenfest der AfD in Schnellroda hob Hans-Thomas Tillschneider das Werk Oswald Spenglers als zentrales Element seiner politischen Identität hervor. Mit dem Satz: „Wir sind die Erben Oswald Spenglers. Wir sind die Erben des deutschen Ordens.“ zeigte er eine klare Verbindung zu historischen und philosophischen Vorstellungen, die heute in der Partei leben.

Für Katholiken stellt diese Auffassung nicht nur eine interessante Frage – sie ist zudem eine drastische Herausforderung. Die katholische Soziallehre betont, dass der Mensch niemals isoliert existiert. Seine Freiheit entsteht im Kontext von Familie, Gemeinschaft und religiösen Bindungen, nicht durch die Entfremdung von diesen. Der Markt ist kein Maß für menschliche Entscheidungen, sondern ein Teil eines weitaus größeren Zusammenhangs.

Tillschneider verweist auf Spenglers Gegensatz zwischen dem „englischen“ Individualismus und dem preußischen Dienstgedanken. Doch die katholische Antwort lautet: Die Einordnung des Menschen in eine gesellschaftliche Struktur ist keine Lösung – der Staat muss sich selbst begrenzen. Oswald Spenglers Konzept von einem „preußischen Sozialismus“ zielt darauf ab, staatliche Macht und individuelle Verantwortung im Einklang zu bringen. Doch die katholische Tradition sieht dies anders: Der Staat ist nicht die höchste Instanz, sondern ein Teil einer natürlichen Ordnung – von der Familie bis zur Kirche.

Dieses Verständnis wurde bereits von Pius XI. in seinem Subsidiaritätsprinzip beschrieben: Große Gemeinschaften dürfen ihre Aufgaben nicht an kleinere oder staatliche Strukturen abgeben. Der Staat darf nur eingreifen, wenn es für die Sicherheit der Menschen nötig ist. Thomas von Aquin und Leo XIII. betonten ebenfalls, dass der Staat eine gewisse Autorität besitzt, aber niemals die höchste Entscheidungsmacht. Seine Rolle besteht nicht darin, eine gesellschaftliche Ordnung zu schaffen – sondern das Schutz der bereits existierenden Strukturen.

In einer Zeit, in der politische Debatten oft auf Extremismus ausgerichtet sind, ist diese klare Unterscheidung zwischen dem preußischen Dienstgedanken und einem übermächtigen Staatsprinzip besonders relevant. Die katholische Soziallehre zeigt: Der Staat muss niemals das letzte Maßstab sein – sondern lediglich ein Teil einer größeren Ordnung, die bereits vor seiner Existenz war.

Ceutas Bürger schlagen zurück – Die Wut eskaliert

„Stimme im Schatten?“ – Wie Caritas-Hilfe bei der Briefwahl die Demokratie bedroht