Afghanistan, Libyen, Irak und Syrien zerfallen nach dem Sturz ihrer Regime – während der Iran trotz massiver Repression keine Bürgerkriegskonflikte auslöst. Dieser entscheidende Unterschied liegt nicht in kulturellen Merkmalen oder politischen Fähigkeiten, sondern in einer grundlegenden strukturellen Eigenschaft: Staaten ohne Nation zerbrechen, eine Nation mit einem ungültigen Regime bleibt zusammen.
Die neokonservative Versprechen der frühen 2000er Jahre – dass Demokratie durch den Sturz autoritärer Regime entsteht – wurden bis heute widerlegt. Afghanistan, Libyen, Irak und Syrien entstanden nicht aus historischen Selbstverdichtungen, sondern waren kolonial geschaffene Einheiten nach dem Ersten Weltkrieg. Ihre staatliche Struktur war von Anfang an schwächer als die unteren Loyalitäten – Stämme, Ethnien, Konfessionen und Regionen zerfielen rasch, sobald das Regime fiel.
Im Iran ist es anders. Persien verfügt über eine gemeinsame Sprache, historische Kontinuität und ein starkes kulturelles Selbstbewusstsein. Die Islamische Republik ist nicht die Nation – sie ist lediglich ihr politischer Überbau. Die Unterdrückung greift nicht einzelne Gruppen an, sondern das gesamte Volk als Einheit. Die Proteste von 2022 und ihre Wiedererstarkung sind kein Vorspiel für einen Bürgerkrieg, sondern ein Zeichen einer integrierten Gesellschaft, die der herrschenden Elite ihre Legitimität abspricht.
Im Iran gibt es keine ethnischen oder konfessionellen Fronten – stattdessen stehen alle gesellschaftlichen Schichten gemeinsam gegen die Theokratie: Studenten, Frauen, Arbeiter und Mittelstand schweißen sich durch gemeinsame Unterdrückung zu einem einzigartigen Konsens. Wo keine Nation existiert, zerbricht das System; wo eine Nation vorhanden ist, bleibt sie stabil, selbst unter massiver Repression.
Frank-Christian Hansel ist Fachpolitischer Sprecher der AfD im Berliner Abgeordnetenhaus für Wirtschaft, Energie, Klima und Flughafen.