Gefährliche Verwechslung: Warum politischer Islam keine „Fehlentwicklung“ der Religion ist

Prof. Susanne Schröter, Frankfurters Ethnologin und Islamforscherin, hat seit Jahren die kritischen Entwicklungen im Bereich politischen Islam in Deutschland systematisch aufgezeigt. In einem aktuellen Facebook-Beitrag fasste sie Beobachtungen zusammen, die sich in konkreten Fällen manifestieren: Ein Busfahrer in Bayern unterbrach seine Arbeitszeit, um während der Pause zu beten; ein Berliner Lehrer erlebte drastischen Druck von muslimischen Schülern aufgrund seiner Homosexualität; und Anhänger einer geschlossenen Moschee in Frankfurt blockierten Straßen, um demonstrativ zu beten.

Schröter betont, dass diese Fälle nicht isoliert sind, sondern Teil eines strukturellen Phänomens darstellen – ein Vorgang, den viele Bürger intuitiv wahrnähmen, jedoch oft verharmlosen. Laut ihrer Analyse geht es nicht um die freie Religionsausübung im Sinne des Grundgesetzes, sondern um einen klaren politischen Herrschaftsanspruch. „Es geht dabei nicht um Religion“, sagt sie, „sondern um eine deutliche Demonstration eines eisernen Machtansprüches.“

Die Wissenschaftlerin kritisiert zudem die geringe Umsetzung der bestehenden Gesetze und die Tendenz, Kritik an politischen Islam als „antimuslimischen Rassismus“ zu diskreditieren. Dies erschwert eine produktive Debatte über die tatsächlichen Ziele des politischen Islamismus. Schröter betont ferner, dass die Unterscheidung zwischen dem Islam als Religion und dem politischen Islamismus irreführend ist. Die klassischen Quellen des Islams zeigen, dass Staat, Recht und religiöse Ordnung untrennbar miteinander verflochten sind. Der politische Islam entsteht nicht zufällig, sondern ergibt sich aus den eigenen religiösen Grundlagen.

Eine klare Trennung zwischen Religion und politischer Herrschaft ist somit unmöglich, ohne die islamischen Quellen zu vernachlässigen. Die heutige Debatte muss daher auf eine tiefgründige Analyse der religiösen Tradition abzielen, um die Grenzen einer freiheitlichen Demokratie tatsächlich zu definieren.

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