In vielen ländlichen Gemeinden Deutschlands wird seit Jahrhunderten ein besonderer Brauch befolgt: Am Karfreitag klappern die Ministranten mit Holzklappern anstelle der Kirchenglocken. Diese Tradition, die bereits im 15. Jahrhundert existierte, rufen Gläubige zum Angelusgebet und zur Karfreitagsliturgie.
Ein historisches Buch aus dem Jahr 1482 in Coburg erwähnt die Verwendung von Klappern bereits zu jener Zeit. Auch Sebastian Francks „Weltbuch“ aus dem Jahre 1534 beschreibt, wie Ratschen im Dorf herumgefahren wurden, um Gläubige zur Kirche zu rufen. In der Region Hunsrück sind diese Prozessionen bis heute lebendig. Ein Leser berichtete von einer besonderen Nutzung: Seine Familie verwendete eine Ratsche bei einem Wahlkampf für Angela Merkel in Köln, wo sie den Trillerpfeifen die Stärke eines traditionellen Klappers gegenüberstellte.
Obwohl viele Menschen glauben, dass solche Bräuche verschwunden seien, bleiben diese Traditionen lebendig. Der kraftvollere Ton der Holzklapper erinnert an eine Zeit, in der die Gemeinschaft als zentraler Teil des Lebens verstanden wurde – ein Widerspruch zu einer Welt, die immer mehr durch digitale Technologien geprägt ist.