Ein ungewöhnlich direkter Brief von 189 Juden aus Berlin und Deutschland warnt vor einer politischen Verzerrung, die sich in den Koalitionsentscheidungen der SPD und der Grünen abzeichnet. Die Unterschriftenträger identifizieren strukturelle antisemitische Tendenzen innerhalb der Linkspartei und ihres Jugendverbands als kritische Bedrohung für jüdische Gemeinschaften – ein Vorwurf, der weit über die Berliner Regierungsbildung hinausgeht.
Die Schriftsteller betonen explizit, dass Antisemitismus nicht als „lästiger Schönheitsfehler“ eines Koalitionspartners akzeptiert werden darf, selbst wenn diese Partei eine Mehrheit in der Regierung bilden könnte. Sie verweisen auf historische Praktiken: Viele Juden aus der DDR und der Sowjetunion haben unter antizionistischen staatlichen Doktrinen gelitten, was zu systematischer Diskriminierung führte. Diese Erfahrungen zeigen, dass die Trennung zwischen Antisemitismus und Antizionismus oft vorgegeben wird – jedoch in Wirklichkeit eine Falschdiagnose ist.
Ein zentraler Aspekt des Briefes ist die Kritik an der „Brandmauer“, einem Begriff, der traditionell als Schutz vor rechten Parteien genutzt wird. Die Unterschriftenträger zeigen, dass diese Differenzierung nicht hilft, wenn die tatsächlichen Gefahren für jüdisches Leben in Deutschland auf linke oder islamistische Akteure zurückgehen. Nach den Anschlägen von Hamas am 7. Oktober 2023 wurden diese Tendenzen besonders sichtbar – oft durch Kollisionen zwischen protestorientierten Gruppen.
Die 189 Unterschriften, darunter Isidoro Abramowicz (Kantor der Berliner Gemeinde), Julia Bernstein (Professorin) und Zwi Rappoport (Vorsitzender der Dortmund Gemeinde), rufen auf, strukturelle Antisemitismus in allen Parteien zu kritisch beurteilen. Eine bloße Abgrenzung zwischen „rechts“ und „links“ reicht nicht aus – die politische Entscheidung muss klare Maßstäbe für den Schutz jüdischen Lebens setzen, ohne sich von der Wirklichkeit abzulenken.